|
Einführung
Die
Gleichung des Wasserhaushaltes ist einfach. Sie lautet:
Niederschlag
- Verdunstung - Abfluss ± Wasservorratsveränderung
= 0
Unter
den natürlichen Voraussetzungen in unbefestigten
Einzugsgebieten finden permanent große Verdunstungs-
und Wasservorratsveränderungsvorgänge statt.
Unter "positiver Wasservorratsveränderungsvorgängen"
verstehen wir die Versickerung und dadurch die Grundwasserneubildung.
Mit zunehmender Zivilisierung und damit auch Versiegelung
unserer Umwelt verlagerte sich die Gleichung in Richtung
erhöhter Abfluss bei verminderter Verdunstung
und Versickerung.
 
Wasserhaushalt
unbefestigter Flächen
Wasserhaushalt befestigter Flächen
Zwangsläufig
sah man sich dazu gezwungen, sich des erhöhten
Abflusses möglichst schadlos zu entledigen. In
der Vergangenheit wurde dieses Ziel durch eine schnelle
Ableitung des Abflusses zur Vorflut (Gewässer)
realisiert. Je größer die Kanäle sind,
über die die Ableitung des Abflusses meist stattfindet,
desto größer ist üblicherweise das
"Sicherheitsgefühl".
Über die negativen Folgen, wie Reduzierung der
positiven Wasservorratsveränderung (Grundwasserneubildung)
und der Verschärfung der Hochwassergefahr, wurde
zunächst nur selten nachgedacht. Unbeherrschbare
Hochwasser-ereignisse und die Reduzierung des Grundwasserdargebotes
haben die Gesellschaft mittlerweile jedoch zum Umdenken
animiert.
So wird heute der Oberflächenabfluss nicht mehr
nur "einfach" abgeleitet, sondern zunehmend
wieder dem Grundwasser zugeführt (Versickerung)
und zurückgehalten (Retention), wobei die offene
Retention auch der Verdunstung zugute kommt und außerdem
naturnaher ist.
Zurückgehalten werden kann aber nicht nur in
eigens dafür errichteten Räumen, sondern
auch im Kanalnetz selbst, indem zur Verfügung
stehendes Kanalvolumen aktiviert wird. Im 21. Jahrhundert
stehen hierzu leistungsfähige EDV-Systeme zuzüglich
Software zur Verfügung, um Abflussvorgänge
in allen denkbaren Kanalnetzen realitätsnah zu
simulieren und neue Kanalnetze optimal zu gestalten.
Kanalnetzoptimierung
Die
Kanalnetzoptimierung beginnt genau genommen schon
bei der Verhinderung der Abflüsse (dezentrale
Versickerung), der Verringerung der Abflussspitzen
(Retention) und/oder in Kombination der beiden.
Große Abwasserverbände wie z. B. der Emscher-Verband
sind derzeit damit beschäftigt, umfassende Kanalnetz-umbauten
und damit verbundene Renaturierungen offener Wasserläufe
(welche in der Vergangenheit vielfach als Abwasserkanäle
verwendet wurden) vorzubreiten und durchzuführen.
Eine große Rolle spielt dabei die Vermeidung
bzw. Reduzierung der zum Ablauf gelangenden Niederschläge.
So wird praktisch grundstücksweise die Möglichkeit
der Versickerung und Retention geprüft. Die daraus
gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend
in der Kanalnetzberechnung berücksichtigt.
Neben dem Aspekt der dadurch möglichen reduzierten
Kanalquerschnitte und des damit deutlich sinkenden
Investitionsbedarfes wird dadurch auch viel zur Verbesserung
ökologischer und wasserwirtschaftlicher Gegeben-heiten
beigetragen.
Für einige Verbände spielt das jedoch leider
eine untergeordnete Rolle, da der langfristige wirtschaftliche
Vorteil durch die Anforderungen des Tagesgeschäftes
mit anderen Schwerpunkten aus dem Blickfeld verdrängt
wird.
Aber auch ohne v. g. Detailuntersuchungen wie im Emschergebiet
ist eine Kanalnetzoptimierung möglich.
Das geschieht durch folgenden Ansatz:
Bis heute werden Kanalnetze überwiegend durch
das von Imhoff 1922 eingeführte Zeitbeiwertverfahren,
bei dem die Regendauer gleich der Fließzeit
bei gleicher Häufigkeit gesetzt wird, dimensioniert.
Abhängig von der Größe des Entwässerungsgebietes
oder seines Gefährdungspotentials werden derart
dimensionierte Netze auch mit Nachweisverfahren bestätigt.
Selten werden diese Netze jedoch auch optimiert, das
heißt, die Rohrdurchmesser (DN = Diameter Nominale)
an die tatsächlichen Abflussvorgänge angepasst
und Einstauungen gezielt gerechnet.
Dabei bildet das Zeitbeiwertverfahren ein durchaus
praktisches Werkzeug zur Vordimensionierung, was aber
genausogut auch "nach Gefühl" gemacht
werden kann, da durch die Optimierung das ideale Netz
schrittweise erreicht wird.
Während beim Zeitbeiwertverfahren ausschließlich
der Blockregen (gleiche Intensität über
die komplette Regendauer bei vorgegebener Häufigkeit)
berücksichtigt werden kann, können die Nachweisverfahren
mit Niederschlagsreihen oder statistisch aufgestellten
Modellregen oder Modellregengruppen umgehen.
 
Modellregen
nach Euler [r30(0,2)] - Raum Arnstadt
Blockregen [r15(1)]
- Raum Arnstadt
Des
weiteren spielen bei den Nachweisverfahren die Abflussbildung
(= Niederschläge abzüglich Muldenverluste,
Benetzungsverluste etc.) und die Abflusskonzentration
(= Berechnung von Zuflussganglinien zum Kanalnetz
unter Berücksichtigung der Flächengeometrie,
Schwerpunktabstand etc.) eine große Rolle. Beim
Zeitbeiwertverfahren wird vom Blockregen lediglich
ein Prozentsatz "X" über den sogenannten
Abflussbeiwert abgezogen, wobei schon bei geringen
Abweichungen von der Realität die Ergebnisse
verfälscht werden können.
Die Spitze der Kanalnetzoptimierung bildet die modelltechnische
Nachbildung der Translation des zum Abfluss gelangten
Niederschlages und der Berücksichtigung der Aufteilungs-
und Speichervorgänge in Sonderbauwerken im Kanalnetz
bzw. des Kanalnetzes unter Lösung des Saint-Venantschen
Differentialgleichungssystems, bestehend aus der Kontinuitätsgleichung:

und
der Energiegleichung (dynamische Gleichung):
welche
bereits 1871 von Barre de Saint-Venant formuliert
wurde, die jedoch erst im Zeitalter elektronischer
Rechnersysteme praktisch anwendbar gelöst werden
konnte.
Fazit
Ein
Kanalnetz im 21. Jahrhundert mit einem rund 85 Jahre
alten Berechnungsalgorithmus wie dem Zeitbeiwert-verfahren
zu dimensionieren und dann keine weiteren Nachweise
über die Auslastung des Netzes bei unter-schiedlichen
Belastungen zu erbringen, ist nicht mehr zeitgemäß.
- Schließlich reiten wir ja auch nicht mehr
von Ort zu Ort.
Mit einem hydrodynamischen Nachweis des z. B. auch
mit dem Zeitbeiwertverfahren vordimensionieren Netzes
ergeben sich zwangsläufig Optimierungspotentiale
für das "Niederschlagsereignis nach Wahl
des Auftraggebers".
Man ist also heute mehr denn je in der Lage zu analysieren,
was im Kanalnetz tatsächlich passiert. Die Ergebnisse
des Zeitbeiwertverfahrens sind lediglich die Größe
(DN) der Kanäle bei vorgegebenem Gefälle
- sonst nichts.
Was im Kanal passiert, wird dann ein Rätsel bleiben.
Wenn es Sie interessiert, was in Ihren zukünftigen
und auch vorhandenen Kanalnetzen tatsächlich
vor sich geht, wenn Sie erkennen wollen, wo Optimierungspotential
besteht und wo Sie Investitionen deutlich reduzieren
können,
so
rufen Sie uns an: 
Mit unserer durch die Ingenieurkammer Thüringen
und das Thüringer Ministerium für Wirtschaft,
Technologie und Arbeit beim "Großen Thüringern
Ingenieurpreis 2004" anerkannten Optimierung
der Ortsentwässerung von Haynrode (600 E + 200
EW) haben wir "behördlich attestiert"
nachgewiesen, welch ein Einsparpotential selbst in
vergleichsweise kleinen Netzen schlummert.
Beispiel:
Haynrode
|